Drake Passage: Wie schlimm ist die Überfahrt in die Antarktis?
Zwei Tage Warten wegen Sturm, leichte Übelkeit auf der Hinfahrt und ein Meer wie der Zürisee zurück. So haben wir die berüchtigte Drake Passage erlebt.
Die Drake Passage hat den Ruf, das rauste Meer der Welt zu sein, und entsprechend viel Respekt hatten wir vor unserer Antarktis-Reise im Februar 2025. Am Ende mussten wir zwar zwei Tage im Beagle-Kanal auf besseres Wetter warten, kamen auf der Hinfahrt aber mit einer leichten Übelkeit davon. Und die Rückfahrt war so ruhig wie der Zürisee. Hier erzählen wir dir, wie wir die Überfahrt erlebt haben und was gegen Seekrankheit hilft.
Lage: zwischen Südamerika und der Antarktischen Halbinsel
Dauer: bei uns rund zwei Tage pro Richtung
Wetter: Sturm mit über 74 Knoten Wind und bis zu 10 Meter hohen Wellen, deshalb zwei Tage Warten im Beagle-Kanal und ein Tag weniger in der Antarktis
Mittel an Bord: Tabletten, Pflaster und Armbändchen gegen Seekrankheit
Unsere Bilanz: leichte Übelkeit auf der Hinfahrt, eine spiegelglatte Rückfahrt
In der Antarktis: Seekrankheit war dort kein Thema mehr
Was die Drake Passage so berüchtigt macht
Zwischen dem Südzipfel Südamerikas und den Südlichen Shetlandinseln liegt kein Land, das Wind und Wellen bremsen könnte. Hier treffen Atlantik und Pazifik aufeinander, und Stürme bauen sich ungehindert auf. Die Crew hat uns das an Bord in einem eigenen Vortrag erklärt. Spätestens nach der lustigen Demonstration der Beaufort-Skala, mit der Windstärken gemessen werden, wussten wir dann auch, warum die Drake Passage so gefürchtet ist.
Zwei Tage Warten im Beagle-Kanal
Am 19. Februar 2025 legten wir in Ushuaia ab, allerdings nicht Richtung Süden. In der Drake Passage tobte gerade ein übler Sturm mit über 74 Knoten Wind, also rund 130 km/h, und bis zu 10 Meter hohen Wellen. Zum Vergleich: Unsere Kabine lag nur rund 5 Meter über dem Wasser, da wäre es wohl chli nass geworden. Der Kapitän entschied sich deshalb, im geschützten Beagle-Kanal zu warten.
Lustigerweise ankerten wir dabei ziemlich genau vor dem Strand, an dem wir ein paar Tage zuvor mit Amunche vergeblich nach Bob gesucht hatten, einem einsamen Königspinguin, der dort am Beagle-Kanal lebt. Wir haben sozusagen eine schöne Schlaufe gemacht.
Was nach verlorener Zeit klingt, waren zwei der entspanntesten Tage der ganzen Reise. Wir besuchten die Schulungen zu den Regeln der Antarktis, liessen beim Bio-Check unsere Kleidung kontrollieren und falteten mit Mitreisenden aus China um die Wette Dumplings. Am Nachmittag konnte man zwischen Tango, Aquarellmalen, Fotografiekurs und Wolkenkunde wählen, und Katja ging natürlich zur Wolkenkunde. Genau als alles starten sollte, tauchten aber Schwarzdelfine und Seiwale vor dem Bug auf, und da konnte keine Aktivität mehr mithalten.

Auch eine Führung auf der Brücke stand auf dem Programm. Statt eines grossen Steuerrads steht dort heute nur noch ein kleiner Drehknopf, der Rest läuft über Bildschirme und Joysticks.

Beim Mittagessen sassen wir mit einem Kanadier und einem Amerikaner am Tisch, die eigentlich mit einem Segelschiff über die Drake Passage wollten. Auf der Hinfahrt ging dort aber etwas kaputt, das Schiff musste zurück nach Ushuaia, und die beiden konnten zwischen Geld zurück oder der Luxusvariante wählen. Sie entschieden sich für unser Schiff, ganz verdaut hatten sie die Enttäuschung aber noch nicht. Bei uns war es genau umgekehrt.
Kurz danach kam dann die erhoffte Durchsage: Das Wetter hat sich gebessert. Am dritten Tag um 15 Uhr ging der Anker hoch, und gegen 21 Uhr verliessen wir den Beagle-Kanal. Unter dem Strich hat uns das Warten einen Tag in der Antarktis gekostet. Weil die Crew die Zeit aber mit so vielen spannenden Vorträgen und Aktivitäten gefüllt hat, haben wir das kaum gemerkt.
Die Hinfahrt: schaukelig, aber machbar
Beim täglichen Briefing um 18:30 Uhr hiess es: Alles, was lose herumliegt, verstauen oder befestigen. Die erste Nacht war dann aber ruhiger als befürchtet. Es schaukelte zwar ziemlich und wir wachten mehrmals auf, richtig schlecht ging es uns aber nie. Eine leichte Übelkeit ja, seekrank nein, und das ist ja wohl das Wichtigste.
Tagsüber füllte die Crew die Zeit mit Vorträgen über Seevögel, Wale und die sich bewegenden Kontinente. Damit es nicht zu kopflastig wurde, zeigte uns das Housekeeping-Team ausserdem, wie man aus Hand- und Badetüchern Tiere faltet, und Katja ist seither ein Profi im Elefantenfalten. Dazwischen standen wir an Deck und schauten den Albatrossen und Sturmvögeln zu, die stundenlang neben dem Schiff hersegelten.

Am zweiten Morgen sahen wir dann von unserem Balkon aus den ersten Eisberg. Zumindest dachten wir das. Wir waren wohl noch nicht ganz wach, denn erst zwei Minuten später merkten wir, dass wir die ganze Zeit eine Eisscholle bestaunt hatten und der eigentliche Eisberg weiter hinten lag.

Die Rückfahrt: so ruhig wie der Zürisee
Für die Rückfahrt Anfang März hatten wir mit hohen Wellen und rauer See gerechnet. Stattdessen war das Meer spiegelglatt, so ruhig wie der Zürisee und ein riesiges Glück für alle an Bord. Sogar unser Kapitän meinte, er habe noch fast nie eine so ruhige See erlebt.
Zwei volle Tage auf See heisst aber auch: kein Landgang und keine Zodiac-Fahrt. Die Zeit wurde deshalb mit Vorträgen gefüllt, und gleich am ersten Morgen gab es eine Überraschung. Unter den Gästen war Thor Pedersen, der erste Mensch, der alle Länder der Welt am Stück und ohne Flugzeug bereist hat. Wir hatten uns während der Expedition mehrmals mit ihm unterhalten, ohne zu ahnen, wer er ist, denn er wollte das bis zu seinem Vortrag für sich behalten. Seine Geschichten von fast zehn Jahren unterwegs waren der perfekte Abschluss, bevor es mit einem Abschiedsdrink und einer Karaoke-Nacht zurück nach Ushuaia ging.
Was gegen Seekrankheit hilft
An Bord gab es Tabletten, Pflaster und Armbändchen gegen Seekrankheit. Wir haben am Ende nichts davon gebraucht, und auch sonst haben wir auf dem ganzen Schiff von kaum jemandem gehört, der wirklich seekrank war. Wir wissen aber, dass wir mit dieser sehr humanen Überfahrt einfach Glück hatten. Gut zu wissen: Seekrankheit ist fast nur in der Drake Passage ein Thema, denn in der Antarktis fährt das Schiff durch geschützte Kanäle und das Wasser war dort ruhig.
- Medizin früh klären: Wenn du schnell seekrank wirst, sprich vor der Abfahrt mit deiner Ärztin oder dem Schiffsarzt und nicht erst, wenn es schon schaukelt.
- Zeitpuffer einplanen: Ein Sturm kann die Abfahrt um Tage verschieben. Buch deinen Weiterflug deshalb nicht zu knapp.
- Kabine bedenken: Weiter unten und in der Mitte des Schiffs spürst du die Bewegung weniger als ganz oben oder ganz vorne.
- Schlaf nachholen: Die Tage auf See sind lang und ruhig, nutz sie auch zum Ausruhen.
Ihre Sicht, seine Sicht
Ich (Katja): Die erste Nacht in der Drake Passage war aufregend, und es war seit langem überhaupt die erste Nacht in einem grossen Bett. Mitten in der Nacht bin ich aufgewacht, musste auf die Toilette und dachte zuerst: Ui, ich habe mir ja noch gar keinen Toilettenplatz gesucht. Bis ich realisiert habe, dass wir auf einem Schiff sind und nicht mehr mit unserem VW-Bus unterwegs.
Ich (Nicolas): Mich hat in den Vorträgen am meisten überrascht, wie stark das gesamte Weltklima von den Polen abhängt, und ganz besonders von den Meeresströmungen und Temperaturen rund um die Antarktis. Es hat mir einmal mehr gezeigt, dass auf dieser Welt alles zusammenhängt und dass es sich lohnt, sie zu schützen.
Unser Fazit
Die Drake Passage bleibt ein Glücksspiel. Wir hatten Glück, auch weil der Kapitän lieber zwei Tage gewartet hat, statt in den Sturm zu fahren. Lass dich vom Ruf also nicht abschrecken, plan aber genug Zeit und die richtige Medizin ein. Wie wir last minute zu unseren Plätzen kamen und was die Reise gekostet hat, liest du in unserem Hauptbeitrag zur Antarktis.
Wie ein ganz normaler Tag an Bord abläuft, von der Durchsage am Morgen bis zum Briefing am Abend, erzählen wir dir hier:
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Überfahrt durch die Drake Passage?
Bei uns waren es rund zwei Tage pro Richtung. Dazu kamen zwei Tage Warten im Beagle-Kanal, weil in der Drake Passage ein Sturm tobte. Das hat uns am Ende einen Tag in der Antarktis gekostet.
Wird man in der Drake Passage immer seekrank?
Nein. Das hängt stark vom Wetter ab. Wir hatten auf der Hinfahrt nur eine leichte Übelkeit, und die Rückfahrt war spiegelglatt.