Antarktis Last Minute ab Ushuaia: unsere 13 Tage, Kosten und Fazit

Eine Woche vor Abfahrt kam die Mail mit dem Last-Minute-Angebot. Was die Antarktis gekostet hat, wie ein Expeditionstag abläuft und für wen sich das lohnt.

Katja und Nicolas in Expeditionsjacken halten eine Flagge mit der Aufschrift 7th Continent Antarctica

Eigentlich lag die Antarktis weit ausserhalb unseres Budgets. Doch dann kam im Februar 2025, während wir mit unserem VW-Bus durch Feuerland tuckerten, eine Mail mit einem Last-Minute-Angebot. Eine Woche später standen wir an Deck eines Expeditionsschiffs und fuhren Richtung Südpolarkreis. 13 Tage, rund 6'000 Franken pro Person und eines der besten Erlebnisse unseres Lebens. Hier erzählen wir dir, wie wir zu den Plätzen kamen, was es gekostet hat und wie so eine Expedition abläuft.

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Das Wichtigste in Kürze

Reisezeit: 19. Februar bis 3. März 2025, 13 Tage
Start und Ziel: Ushuaia, Argentinien
Kosten: CHF 6'247 pro Person, alles inklusive
Ersparnis: Unsere Kabine hätte regulär etwa CHF 6'000 mehr gekostet
Gebucht: rund eine Woche vor Abfahrt, über den Last-Minute-Verteiler von Freestyle Adventure Travel
Route: Beagle-Kanal, Drake Passage, Antarktische Halbinsel bis über den südlichen Polarkreis, Südliche Shetlandinseln

Wie wir zu Last-Minute-Plätzen kamen

Im Februar 2025 waren wir schon gut vier Monate mit Amunche unterwegs, unserem VW-Bus Jahrgang 1989. Ushuaia war das südlichste Ziel unseres Roadtrips durch Patagonien, und an die Antarktis hatten wir dabei ehrlich gesagt nie gedacht. Ushuaia ist aber der Hafen, von dem aus die meisten Expeditionsschiffe ablegen. Und kurz vor Abfahrt werden freie Kabinen deutlich günstiger verkauft.

Gebucht haben wir über Freestyle Adventure Travel, eine Agentur mit Büro in Ushuaia, die sich unter anderem auf Last-Minute-Plätze spezialisiert hat. Wir hatten mit Sarah Scott einen sehr netten Kontakt. Das funktioniert ganz einfach: Du meldest dich bei der Agentur und landest in ihrem E-Mail-Verteiler. Dafür musst du nicht einmal in Ushuaia sein. Sobald aber ein passendes Angebot reinkommt, musst du schnell sein.

Bei uns hiess das: rasch bestätigen und innerhalb von 24 Stunden bezahlen, was nur mit mehreren Kreditkarten möglich war. Vor lauter Aufregung haben wir beim Buchen vergessen, das Licht von Amunche auszuschalten. Die Batterie war natürlich leer, und bevor wir vom Parkplatz wegkamen, mussten wir den Bus zuerst überbrücken.

Für Overlander hat die Agentur gleich zwei grosse Vorteile. Sie hat uns mit allem ausgerüstet, was uns noch fehlte, während Stiefel und Parka dann auf dem Schiff bereitlagen. Ausserdem hat sie einen geschlossenen Parkplatz, auf dem du dein Fahrzeug während der ganzen Reise gratis stehen lassen kannst, auch grosse Expeditionsfahrzeuge. Wer also spontan unterwegs ist und den Camper sicher parkieren muss, ist dort genau richtig.

Du musst nicht in Ushuaia sein, um einen Last-Minute-Deal zu bekommen. Du musst aber innert 24 Stunden entscheiden und zahlen können, genug Kreditkartenlimit haben und rechtzeitig in Ushuaia sein.

Was die Antarktis gekostet hat

In unserer Ausgabentabelle steht die Antarktis mit CHF 6'247 pro Person für 13 Tage. Das sind rund CHF 480 pro Tag und damit fast zehnmal so viel wie unser Durchschnitt von CHF 52.70 auf dem Rest der Weltreise.

PostenCHF pro Person
Expedition inklusive Kabine, Essen, Ausflüge und Ausrüstung6'116.04
Sonstiges115.80
Einkäufe an Bord15.30
Total6'247.14

Auf dem Schiff wird zusätzlich ein Trinkgeld von 14 USD pro Gast und Tag verrechnet. Wir haben es auf 10 USD reduziert, um die Reisekasse etwas zu schonen, obwohl der Service wirklich hervorragend war. Bezahlt haben wir das Ganze aus unserem Notgroschen. Diese Taktik würden wir nicht unbedingt weiterempfehlen, bereut haben wir es aber keinen einzigen Tag.

Alle Kosten unserer 18 Monate findest du übrigens hier: Kosten für 18 Monate Weltreise, auf den Rappen genau.

Zwei Tage warten im Beagle-Kanal

Am 19. Februar legten wir ab, allerdings nicht Richtung Süden. In der Drake Passage tobte gerade ein Sturm mit über 74 Knoten Wind, also rund 130 km/h, und bis zu 10 Meter hohen Wellen. Der Kapitän entschied sich deshalb, im geschützten Beagle-Kanal zu warten. Unter dem Strich hat uns das einen Tag in der Antarktis gekostet.

Langweilig wurde es uns trotzdem nicht. Wir besuchten die obligatorische Schulung zu den Regeln der Antarktis, zeigten beim Bio-Check Kleidung und Rucksäcke vor und falteten mit drei chinesischen Mitreisenden um die Wette Dumplings. Mitten in einer Dehnübung rief die Crew plötzlich alle ans Fenster, denn direkt vor dem Bug schwammen Seiwale und Schwarzdelfine. Am dritten Tag um 15 Uhr ging dann endlich der Anker hoch.

Die Drake Passage: ruhiger als befürchtet

Die Drake Passage ist berüchtigt, und wir hatten uns auf das Schlimmste eingestellt. Auf der Hinfahrt schaukelte es auch spürbar, geschlafen haben wir eher schlecht. An Bord gab es Tabletten, Pflaster und Armbändchen gegen Seekrankheit, gebraucht haben wir am Ende aber nichts davon. Wir kamen mit einer leichten Übelkeit davon, und die Rückfahrt war so ruhig wie der Zürisee. Sogar unser Kapitän meinte, er habe noch fast nie eine so ruhige See erlebt, sie war spiegelglatt.

Das war Glück und lässt sich nicht planen. Seekrankheit ist aber fast nur in der Drake Passage ein Thema, denn in der Antarktis selbst fährt das Schiff durch geschützte Kanäle. Wenn du schnell seekrank wirst, solltest du die zwei Tage Drake in jede Richtung ehrlich einplanen.

So läuft ein Expeditionstag ab

Um 06:30 Uhr weckt dich die Durchsage über die Lautsprecher, bei uns auf Englisch und Chinesisch. Die Gäste sind in mehrere Gruppen eingeteilt, und jede Gruppe hat pro Halbtag einen Landgang und eine Zodiac-Fahrt von ein bis zwei Stunden. Zodiacs sind die robusten Gummiboote, mit denen du zwischen Eisbergen herumfährst oder an Land gebracht wirst. Während die eine Gruppe an Land ist, kurvt die andere durchs Eis, und am Nachmittag wird getauscht. Wind und Eis haben dabei immer das letzte Wort, und so wurde das Programm auch bei uns mehr als einmal kurzfristig umgestellt.

Vor jedem Ausflug geht es in den sogenannten Mudroom. Dort ziehst du Stiefel, Parka und Schwimmweste an und desinfizierst die Stiefel, vor und nach jedem Landgang. Die Landungen sind nass, die letzten Schritte gehst du also durchs Wasser. An Land gilt fünf Meter Abstand zu jedem Tier, und ausser deinen Stiefeln darf nichts den Boden berühren: kein Rucksack, keine Handschuhe und auch kein Hintern. Ein Grund dafür ist die Vogelgrippe, an der in der Antarktis bereits viele Pinguine und junge Robben gestorben sind. Toiletten gibt es unterwegs keine, wir haben vor jedem Ausflug also sehr bewusst getrunken.

Katja und Nicolas beim Mittagessen an Deck des Expeditionsschiffs, im Hintergrund Gletscher und Eisschollen
Zmittag an Deck, mit Aussicht auf Gletscher und Eisschollen.

Zwischen den Ausflügen gab es Vorträge über Pinguine, Wale, Robben, Eis, Vulkane und den Klimawandel. Wir haben in 13 Tagen keinen einzigen verpasst, was uns selbst ein bisschen überrascht hat. Am Abend folgte dann das Briefing des Expeditionsteams für den nächsten Tag.

Unsere Landgänge und Zodiac-Fahrten

Nicht alles hat geklappt: Der Landgang auf Detaille Island fiel wegen Wind aus, und in Port Lockroy durften wir wegen Bauarbeiten nicht an Land. Dafür gab es Momente, die in keinem Programm stehen.

  • Thorne Point: Unsere erste Zodiac-Fahrt führte zwischen Eisbergen hindurch, vorbei an einer schlafenden Robbe. Zum Schluss durften wir sogar selbst auf eine schwimmende Eisscholle treten, für uns eines der grössten Highlights der ganzen Reise.
  • Petermann Island: Tausende Eselspinguine und ein paar Adeliepinguine. Am Nachmittag landeten wir mit dem Pinguinexperten der Crew in einer abgelegenen Bucht, in der laut ihm vermutlich noch nie ein Mensch gestanden hatte.
  • Lemaire-Kanal: Durchfahrt am Abend und danach Grillabend auf dem Aussendeck, bei knapp über null Grad.
  • Stony Point: Unser erster Schritt aufs antarktische Festland. Oben auf dem Hügel, wo keine Tiere leben, waren Schneeballschlacht und Schneeengel ausdrücklich erlaubt.
  • Port Lockroy: Die ehemalige britische Station ist heute Museum und das südlichste Postbüro, das wir kennen. Weil wir nicht an Land durften, kamen die Leute von der Station zu uns aufs Schiff, und neben unserem Zodiac tauchte ein Seeleopard auf. Übrigens kannst du dich für einen Einsatz von einigen Monaten in Port Lockroy bewerben und dort unter anderem Pinguine zählen. Wer dort arbeitet, freut sich über jedes Schiff, denn dann gibt es endlich wieder eine warme Dusche.
  • Neko Harbour: Ein aktiver Gletscher, der direkt vor unseren Augen kalbte.
  • Cuverville Island: Pinguine, Eisberge und danach zwei Stunden lang so viele Buckelwale in der Bucht, dass wir irgendwann aufgehört haben zu zählen.
  • Deception Island: Mit dem Schiff fuhren wir in den Krater eines aktiven Vulkans, wanderten auf einen Hügel und besuchten die verlassene Walfangstation von Whalers Bay.
  • Half Moon Island: Unsere erste Kolonie von Zügelpinguinen und eine argentinische Forschungsstation.
Historische Holzhütte von Port Lockroy mit roten Türen, umgeben von Eselspinguinen
Port Lockroy: Die alte britische Station ist heute Museum und Postbüro, bewohnt wird sie vor allem von Eselspinguinen.

Sonnenuntergang mit Walen

Auch in der Antarktis gibt es wunderschöne Sonnenuntergänge, und einer davon wird uns für immer bleiben. An unserem zweitletzten Abend in der Antarktis kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn rund um das Schiff tauchten überall Wale auf. Sie sprangen aus dem Wasser, bliesen ihre Fontänen in die Luft und zeigten uns ihre Flossen. Es war der Wahnsinn. Das Briefing des Expeditionsteams konnten wir an diesem Abend kaum konzentriert verfolgen, und ehrlich gesagt ging es allen anderen Gästen genau gleich: Alle Blicke gingen nach draussen.

Sonnenuntergang über der Antarktis, vom Heck des Expeditionsschiffs aus gesehen
Abendlicht vom Heck aus. Die Wale waren schneller als die Kamera.

Welche Tiere wir gesehen haben

TierWo wir es gesehen haben
EselspinguinPetermann Island, Stony Point, Neko Harbour, Cuverville Island
AdeliepinguinPetermann Island, einzelne Tiere
ZügelpinguinHalf Moon Island
BuckelwalThorne Point, Cuverville Island
Seiwal und SchwarzdelfinBeagle-Kanal
SeeleopardPort Lockroy
Weddellrobbe und Krabbenfresserrobbeauf Eisschollen bei Thorne Point und Petermann Island
Antarktischer Seebärmehrere Landgänge, Deception Island
Albatrosse, Sturmvögel, Blauaugenscharbeauf See und bei Port Lockroy
Eselspinguine mit flauschigen Jungtieren auf einem Felsen vor einer Gletscherfront
Eselspinguine mit ihren Jungen, die gerade das Federkleid wechseln.

Pinguine sind herzig, keine Frage. Was dir aber kaum jemand erzählt: In einer Kolonie stinkt es ganz schön. Pinguine machen ihr Geschäft nämlich einfach ins Nest oder gleich daneben, und bei tausenden Tieren auf engem Raum riechst du die Kolonie, lange bevor du sie siehst.

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Funfact: Japanische Forscher haben berechnet, wie weit ein Pinguin sein Geschäft spritzen kann. Steht er auf einem Stein, sind es bis zu 1,34 Meter. Ein wahnsinniger Druck. Quelle: Tajima und Fujisawa, 2020
Seeleopard liegt auf einer Eisscholle und schaut direkt in die Kamera, dahinter Felswände und Gletscher
Ein Seeleopard, fotografiert aus dem Zodiac.
Zwei Robben ruhen auf einer Eisscholle vor schneebedeckten Bergen

Polar Plunge: Baden im Südpolarmeer

Am Tag in Port Lockroy durften alle, die wollten, angeseilt ins Wasser springen. Wir sind natürlich beide gesprungen. Bei 1 bis 2 Grad Wassertemperatur ist das allerdings weniger Baden als ein sehr kurzer Schock, danach fühlst du dich aber wie neu.

Katja und Nicolas springen angeseilt ins eiskalte Wasser der Antarktis, im Hintergrund eine Gletscherfront
Polar Plunge: Katja springt, Nicolas ist schon drin.

Ihre Sicht, seine Sicht

Ich (Katja): Als die Crew uns am Hafen begrüsste, hatte ich schon Freudentränen in den Augen, und das noch bevor wir überhaupt abgelegt hatten. Mein persönliches Highlight war aber die Karaoke-Nacht am letzten Abend. Da konnten selbst die Pinguine und Wale nicht mithalten.

Ich (Nicolas): Bei der ersten Robbe dachte ich noch: kennen wir doch aus Neuseeland. Eine Robbe ganz allein auf einer Eisscholle, mitten im Nirgendwo, ist dann aber doch etwas völlig anderes. Und dass das Eis, das um uns herum trieb, teilweise hunderttausende Jahre alt ist, hat mich mehr beschäftigt als jedes Tier.

Lohnt sich Antarktis Last Minute? Unser Fazit

Für uns ganz klar ja. Last Minute passt aber nicht für alle, und das solltest du vorher ehrlich abwägen.

  • Passt, wenn du schon in Südamerika unterwegs bist, ein paar Tage flexibel bist und für ein grosses Erlebnis bewusst Geld ausgeben willst.
  • Passt nicht, wenn deine Ferien fix sind, du ein bestimmtes Schiff oder eine bestimmte Route willst oder schnell seekrank wirst.
  • Rechne damit, dass nicht jeder geplante Landgang stattfindet. Wind und Eis entscheiden, nicht das Programm.

Würden wir es wieder tun? Sofort. Und wenn du konkrete Fragen zur Buchung hast, schreib uns einfach.

Häufige Fragen

Wie kurzfristig kann man die Antarktis buchen?

Wir haben rund eine Woche vor Abfahrt gebucht. Das Angebot kam über den E-Mail-Verteiler einer Agentur, bezahlt haben wir innert 24 Stunden. Wie viel Spielraum es gibt, hängt davon ab, wie viele Kabinen noch frei sind.

Was ist im Preis enthalten?

Bei uns waren Kabine, Vollpension, alle Zodiac-Fahrten, Landgänge und Vorträge inbegriffen, dazu Stiefel, Parka und Schwimmweste auf dem Schiff. Extra kamen das Trinkgeld und optionale Ausflüge dazu, etwa eine Kajaktour für 150 USD.

Wie läuft ein Tag auf einer Antarktis-Expedition ab?

Die Gäste sind in Gruppen eingeteilt. Pro Halbtag hat jede Gruppe einen Landgang und eine Zodiac-Fahrt von ein bis zwei Stunden, am Nachmittag wird getauscht. Dazwischen gibt es Vorträge und am Abend ein Briefing. Das Wetter kann den Plan jederzeit ändern.

Wird man in der Drake Passage seekrank?

Das hängt vom Wetter und von dir ab. Wir hatten Glück und eine ruhige Überfahrt, nachdem wir wegen eines Sturms zwei Tage im Beagle-Kanal gewartet hatten.