Alltag auf einem Antarktis-Expeditionsschiff: Ablauf, Regeln und Essen
Weckruf um 06:30, Stiefel desinfizieren, 5 Meter Abstand und keine Toilette auf dem Ausflug. So sieht ein Tag auf einem Antarktis-Expeditionsschiff aus.
13 Tage haben wir im Februar und März 2025 auf einem Expeditionsschiff in der Antarktis verbracht. Wie sieht ein Tag an Bord aus? Was darfst du an Land, was nicht? Und warum haben wir vor jedem Ausflug sehr bewusst getrunken? Ein Blick hinter die Kulissen.
Schiff: Ocean Albatros von Albatros Expeditions, rund 160 Gäste
Tagesstart: Weckruf um 06:30 über Lautsprecher
Ausflüge: in Gruppen, pro Halbtag ein Landgang und eine Zodiac-Fahrt von ein bis zwei Stunden
Regeln: 5 Meter Abstand zu Tieren, nichts ausser Stiefeln berührt den Boden, Stiefel vor und nach jedem Landgang desinfizieren
Essen: grosse Buffets, vegetarisch kein Problem
Extras: Trinkgeld und optionale Ausflüge wie Kajak für 150 USD
Ankommen an Bord
Schon beim Einsteigen wurden wir von der Crew so herzlich begrüsst, dass Katja Freudentränen in den Augen hatte. Am ersten Nachmittag folgten Infoveranstaltungen und eine Sicherheitsübung mit Schwimmwesten. Das Schiff war fast wie ein Kreuzfahrtschiff ausgestattet, mit Fitnessraum, Sauna und einem Aussichtsdeck.

Unser Schiff war die Ocean Albatros von Albatros Expeditions. An Bord waren rund 160 Gäste, 60 davon gehörten zu einer chinesischen Reisegruppe, weshalb alle Durchsagen auf Englisch und Chinesisch kamen. Unsere Kabine hatte sogar einen Balkon und lag nur rund 5 Meter über dem Wasser.

So läuft ein Expeditionstag ab
- 06:30 Weckruf: Der Expeditionsleiter weckt alle über die Lautsprecher, auf Englisch und Chinesisch.
- Frühstück: Riesige Auswahl. Wir mussten nach ein paar Tagen bewusst kleinere Portionen nehmen.
- Gruppenaufruf: Die Gäste sind in Farbgruppen eingeteilt. Wir waren in Gruppe Blau und sassen meist schon fünfzehn Minuten zu früh in voller Montur in der Kabine. Schweizer halt.
- Mudroom: Hier lagern Stiefel und Schwimmwesten. Vor und nach jedem Landgang werden die Stiefel in einer Desinfektionslösung gereinigt.
- Zodiac: Gummiboote bringen dich zwischen Eisberge oder an Land. Die Landungen sind nass, die letzten Schritte gehst du durchs Wasser.
- Mittag und Nachmittag: Buffet, danach ein zweiter Ausflug, Vorträge oder Workshops und um vier Uhr Tee mit Scones.
- Abend: Briefing für den nächsten Tag, Abendessen, manchmal ein Programmpunkt wie eine Talkshow mit der Crew.

Die Regeln in der Antarktis
Bevor wir an Land durften, gab es eine Schulung zu den Regeln der IAATO, des Verbands der Antarktis-Reiseveranstalter. Dazu kam ein Bio-Check: Kleidung, Rucksäcke und Ausrüstung wurden auf Schmutz und Samen geprüft, damit niemand Krankheitserreger oder fremde Pflanzen einschleppt.

- Mindestens 5 Meter Abstand zu allen Tieren.
- Ausser deinen Stiefeln darf nichts den Boden berühren: kein Rucksack, keine Handschuhe, nicht hinsetzen oder hinknien. Die einzige Ausnahme war ein Hügel ohne Tiere bei Stony Point, wo Schneeballschlacht und Schneeengel erlaubt waren.
- Guides stecken vor jedem Landgang mit roten Fähnchen ab, wo du dich bewegen darfst.
- Die Vogelgrippe hat in der Antarktis viele Pinguine und junge Robben getötet. Auch deshalb sind die Regeln so streng.
- Auf dem Kontinent darf nichts Menschliches zurückbleiben. Eine Toilette gibt es auf Ausflügen nicht, also vorher bewusst trinken.
Essen an Bord
Gegessen haben wir sehr gut, und vor allem sehr viel. Jeden Tag gab es ein riesiges Buffet mit einer wahnsinnig leckeren Auswahl, abends oft à la carte und dazwischen den britischen Nachmittagstee. Vegetarisch zu essen war dabei nie ein Problem. Schön fanden wir auch, dass es manche Gerichte irgendwann einfach nicht mehr gab, weil sie leergefuttert waren. Für uns hiess das, dass nicht im Übermass gekocht wurde.
Ein Highlight war der Grillabend auf dem Aussendeck im Lemaire-Kanal bei knapp über null Grad. Das Dessert haben wir dann aber drinnen gegessen, denn mit abgefrorenen Fingern hätten wir die Gabel nicht mehr halten können. Und die Serviceangestellten waren extrem unterhaltsam und haben wirklich alles dafür getan, dass es uns gut ging. Liebe Grüsse an Thomas aus Guatemala, falls du ihn auf einer Überfahrt triffst. 😉
Vorträge, Workshops und ein Besuch auf der Brücke
Die Expeditionscrew war eine bunte Mischung aus Fachleuten, einige mit Doktortitel. Wir haben in 13 Tagen jeden einzelnen Vortrag besucht, unter anderem zu Pinguinen, Walen, Robben, Eis, Vulkanen, Klimawandel und Meeresströmungen. Unsere Guide Penzy aus Neuseeland hatte mehrere Saisons als Skilehrerin in Grindelwald gearbeitet und sprach fliessend Schweizerdeutsch.
Weitere Programmpunkte: ein Workshop mit dem Housekeeping, in dem wir Tiere aus Handtüchern falten lernten, eine Führung auf der Brücke, wo statt eines Steuerrads nur noch ein Drehknopf steht, und ein Vortrag von Thor Pedersen. Der Däne hat als erster Mensch alle Länder der Welt ohne Flugzeug bereist und war zufällig mit uns an Bord.
Polar Plunge: Sprung ins Südpolarmeer
In Port Lockroy durften alle, die wollten, angeseilt ins 1 bis 2 Grad kalte Wasser springen. Wir sind beide gesprungen. Es ist weniger Baden als ein sehr kurzer Schock, danach fühlt man sich wie neu.
Trinkgeld, Rechnungen und Abschied
Pro Gast und Tag werden 14 USD Trinkgeld automatisch verrechnet. Wir haben es auf 10 USD reduziert, obwohl der Service hervorragend war. Optionale Ausflüge wie die Kajaktour kosten extra. Vor dem Ausschiffen begleichst du alle Rechnungen und bekommst erst dann deinen Pass zurück. Am letzten Abend gab es Karaoke, und am nächsten Morgen um acht Uhr hiess es Abschied nehmen.
Was uns überrascht hat
Ich (Nicolas): Mich hat am meisten überrascht, dass der Standard an Bord extrem hoch war und trotzdem ein echtes Expeditions- und Abenteuerfeeling aufkam. Nicht alles liess sich durchplanen, und wir mussten wirklich Tag für Tag schauen, was Wetter und Eis zulassen.
Dazu kamen die Menschen. Wir haben uns super mit einem australischen und einem englischen Paar verstanden, und dann war da noch Armin. Armin ist ein 80-jähriger Schweizer, der zum dritten Mal versucht hat, in die Antarktis zu kommen, weil die ersten beiden Reisen wegen des Wetters abgesagt wurden. Da wurden wir gleich ein bisschen nervös. Seiner Frau musste er übrigens versprechen, ab jetzt nur noch 6000er zu besteigen und keine 7000er mehr. Ein sehr aktives Kerlchen.
Eines bereue ich im Nachhinein ein wenig: Die Kajaktour hätte zusätzlich 150 USD gekostet, und weil ich damals noch nie im Kajak sass, habe ich darauf verzichtet. Heute würde ich sie sofort buchen.
Unser Fazit
Ein Expeditionsschiff ist kein klassisches Kreuzfahrtschiff. Der Tag richtet sich nach Wetter, Eis und Tieren, und die Regeln sind streng. Gerade das macht es aus: Du bist Gast in einer Welt, die geschützt werden muss, und lernst jeden Tag dazu.

Mehr zu unserer Antarktis-Reise findest du hier: